E-Rechnung ist Pflicht. Ihr ERP muss mit.
Die Frage ist nur: über welche Schnittstelle? Vier Wege führen ans Ziel: nativ, Add-on, Middleware, API.
Das Wichtigste in Kürze
- ERP-Integration verbindet Ihr System direkt mit dem Peppol-Netz.
- Empfang seit 1. Januar 2025 Pflicht, Versand ab 2027 bzw. 2028.
- Vier Anbindungswege: nativ, Add-on, Middleware, REST-API.
- SAP über DRC und BTP, Microsoft Dynamics über den Electronic Invoicing Service.
- Zugangspunkt plus Transformationsschicht: immer der Kern.
- Formate XRechnung, ZUGFeRD, Peppol BIS, alle EN 16931-konform.
Warum ERP-Integration und nicht Insellösung?
Zwei Wege, ein klarer Sieger:
- Ohne Integration: Dokumente außerhalb erzeugen, manuell hochladen, abgleichen. Fehleranfällig.
- Mit Integration: Versand und Empfang direkt im ERP-Kreislauf. Eingang und Ausgang automatisiert.
Die Fristen auf einen Blick
- Seit 1. Januar 2025: Empfang strukturierter B2B-E-Rechnungen Pflicht. Keine Schonfrist.
- 2025 bis 2026: Übergang. Papier und PDF nur mit Zustimmung des Empfängers.
- Ab 1. Januar 2027: Versandpflicht ab 800.000 Euro Vorjahresumsatz.
- Ab 1. Januar 2028: Versandpflicht für alle.
Rechtsgrundlage: Wachstumschancengesetz, §14 UStG. Aufbewahrung: 8 Jahre (seit 2025) im strukturierten Originalformat (GoBD).
So funktioniert die Peppol-Schnittstelle
Das Vier-Ecken-Modell, kurz:
- Ecke 1: Ihr ERP. Erzeugt die Rechnung.
- Ecke 2: Ihr Zugangspunkt. Wandelt um, validiert, sendet (AS4).
- Netz: Routing über die Verzeichnisdienste SMP und SML.
- Ecke 3: Zugangspunkt des Empfängers.
- Ecke 4: ERP des Empfängers. Erhält die Rechnung.
Prinzip: einmal anbinden, alle erreichen. Jeder Partner spricht nur mit dem eigenen Zugangspunkt.
Die drei Formate
- XRechnung: reines XML. Deutsche CIUS der EN 16931. Standard für Behörden.
- ZUGFeRD: hybrid, PDF plus eingebettetes XML. Beliebt im Mittelstand.
- Peppol BIS Billing 3.0: UBL 2.1. International. Mit der XRechnung harmonisiert.
Vier Wege der Anbindung
- Native Unterstützung: Peppol BIS im Standard. Schnell, aber formatbegrenzt.
- Zertifiziertes Add-on: Connector aus dem Marktplatz. Praktisch, an ein System gebunden.
- Middleware- oder Integrationsplattform: eigene Schicht für Transformation und Anbindung. Flexibel, anbieterunabhängig.
- ERP-unabhängige REST-API: die Peppol-API fürs ERP. JSON rein, UBL-XML raus, Eingang per Webhook.
System für System im Vergleich
| ERP-System | Anbindung | Besonderheit |
|---|---|---|
| SAP (S/4HANA, ECC) | SAP DRC über die BTP | XML aus SD- und FI-Belegen |
| Dynamics 365 Finance & Operations | Electronic Invoicing Service | anbieterunabhängig (2026) |
| Dynamics 365 Business Central | Peppol BIS3 im Standard | XRechnung/ZUGFeRD per Connector |
| Oracle (inkl. NetSuite) | Middleware, z. B. Integration Cloud | Wandlung in UBL 2.1 |
| Sage (X3, Intacct, 300) | API oder Partner | keine native Integration |
| Odoo | natives Peppol-Modul | kann selbst Zugangspunkt sein |
Gemeinsamer Nenner: ein zertifizierter Zugangspunkt plus eine Transformationsschicht.
Welcher Ansatz passt? Die Checkliste
- ERP und Version: Cloud oder on-premise verändert die Optionen.
- Volumen: einige hundert gegen zehntausende Rechnungen pro Monat.
- Reichweite: nur Deutschland oder grenzüberschreitend. Peppol ist im Cross-Border stark.
- Eigenentwicklung: API für Kontrolle, schlüsselfertige Lösung ohne eigenes Team.
- Unabhängigkeit: Lock-in heute bedeutet Migration morgen.
- Betrieb: Validierung, Monitoring, 8-Jahre-Archivierung. Wer übernimmt das?
2026: das gehört auf den Plan
- GEBA (ICD 0246): neue elektronische Unternehmensadresse. Freiwillig, am Zugangspunkt konfiguriert, keine ERP-Änderung. Codeliste für Sommer 2026 erwartet.
- EN 16931-1:2026: Norm-Update. Folge: XRechnung 4.0. Veraltete Versionen werden im Netz abgekündigt.
- Öffentliche Kanäle: ZRE Ende 2025 eingestellt. OZG-RE bleibt, Peppol bevorzugt.
- ViDA: seit März 2025 verabschiedet. Grenzüberschreitende digitale Meldung bis Ende des Jahrzehnts.
In vier Schritten zur Integration
- Bestandsaufnahme: ERP, Versionen, benötigte Formate. XRechnung für Behörden, ZUGFeRD oder Peppol BIS für B2B.
- Infrastruktur wählen: Zugangspunkt und Integrationsschicht passend zum Profil.
- Mapping und Test: Felder zuordnen, in der Peppol-Testumgebung prüfen, validieren.
- Go-live und Monitoring: Zustellungen überwachen, Archivierung automatisieren.
Den gesamten Weg übernimmt eine dedizierte ERP-Integrationsplattform: anbinden ohne Prozessunterbrechung.
Häufige Fehler
- E-Rechnung als Insellösung neben dem ERP statt integriert. Doppelarbeit.
- Nur ans Versenden denken, den Empfang (seit 2025 Pflicht) vergessen.
- Format und Übertragungsweg verwechseln. Ein Format ist nicht das Netz.
- Archivierung im Originalformat über 8 Jahre nicht eingeplant.
- Anbieter-Lock-in, der spätere Format-Updates teuer macht.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich mein ERP komplett umstellen?
Nein. Meist genügen ein Add-on oder die Anbindung an einen zertifizierten Zugangspunkt.
Reicht ein PDF als E-Rechnung?
Nein, nicht im Pflichtbereich. Erforderlich ist ein strukturiertes, EN 16931-konformes Dokument.
Muss meine Software Peppol BIS direkt erzeugen?
Nicht zwingend. Der Zugangspunkt konvertiert die native Ausgabe in das passende Format.
Unterschied zwischen XRechnung und ZUGFeRD?
XRechnung ist reines XML. ZUGFeRD ist hybrid, PDF mit eingebettetem XML.
Brauche ich einen eigenen Zugangspunkt?
Selten. Sie nutzen einen zertifizierten Anbieter, der die Übertragung übernimmt.
Fazit
- ERP-Integration ist der effizienteste Weg zur E-Rechnungspflicht.
- Ansatz nach ERP, Volumen, Reichweite und Eigenentwicklung wählen.
- Auf Anbieterunabhängigkeit und automatische Updates achten.
- Früh testen, sauber mappen, Archivierung automatisieren.
Hinweis: allgemeine Information, keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Fristen, Formate und technische Vorgaben können sich ändern.
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