Seit Januar 2025 ist die Empfangspflicht für E-Rechnungen aktiv und betrifft jedes deutsche B2B-Unternehmen ohne Ausnahme  SAP-Anwender stehen damit vor konkreten Architekturentscheidungen rund um Format, Übertragungsweg, Compliance und Archivierung.

Die rechtliche Ausgangslage

Grundlage: das Wachstumschancengesetz. In Kraft seit 2024. Neu justiert – der Begriff der Rechnung im Umsatzsteuergesetz.

E-Rechnung ab 2025: ausschließlich im strukturierten Format gemäß EN 16931.

Was nicht zählt:

  • Papierrechnungen
  • Eingescannte PDFs
  • Standard-PDFs ohne strukturierte Daten
  • Bilddateien wie JPEG oder PNG

Diese Dokumente: ab 2025 als „sonstige Rechnung” behandelt. Nicht als E-Rechnung.

Verbindlicher Zeitplan:

✅ 1. Januar 2025 – Empfangspflicht für alle inländischen B2B-Unternehmen

✅ 1. Januar 2027 – Versandpflicht ab 800.000 Euro Vorjahresumsatz

✅ 1. Januar 2028 – Versandpflicht für alle B2B-Transaktionen im Inland

✅ Voraussichtlich ab 2030 – ViDA, EU-weite Echtzeit-Mehrwertsteuermeldung

Aufbewahrungsfrist seit 2025: grundsätzlich 8 Jahre. Beginn nach Ende des Kalenderjahres. Verlängerung in Sonderfällen möglich – etwa bei laufender Betriebsprüfung gemäß § 147 AO. GoBD-Anforderungen im Übrigen unverändert.

Drei Formate, die in SAP zählen

Drei Standards. Drei klare Anwendungsfälle.

XRechnung

  • Reines XML
  • Pflege durch die KoSIT
  • Pflichtformat für Bundesbehörden seit November 2020
  • Strikte Validierungen, klar definierte Pflichtfelder

ZUGFeRD ab Version 2.1

  • Hybrid aus PDF/A-3 und eingebetteter XML
  • EN 16931-konform in den Profilen EN 16931, EXTENDED, XRECHNUNG
  • Empfohlen: ab Version 2.2
  • Im Mittelstand verbreitet

Peppol BIS Billing 3.0

  • UBL-basiert
  • Standard innerhalb des Peppol-Netzwerks
  • Pflicht für alle Netzwerk-Teilnehmer

Zur Einordnung. XRechnung und Peppol BIS Billing: inhaltlich gleichwertig. Beide CIUS der EN 16931. ZUGFeRD: technisch nahezu identisch mit Factur-X aus Frankreich.

Welches Format wann?

✅ Behörden in Deutschland – XRechnung mit Leitweg-ID

✅ Inländischer B2B mit Anzeigewunsch – ZUGFeRD ab 2.2 im XRECHNUNG-Profil

✅ Grenzüberschreitend in der EU – Peppol BIS Billing 3.0

Eine professionelle SAP-Architektur: alle drei Formate konfigurationsgesteuert. Keine Sonderlösungen pro Empfänger.

Peppol als Transportstandard

Kein Format. Sondern Netzwerk. Sicher, standardisiert, international – längst über Europa hinaus verbreitet.

Grundlage: das 4-Corner-Modell.

  • Corner 1 – Rechnungssender
  • Corner 2 – Access Point des Senders nach AS4-Protokoll
  • Corner 3 – Access Point des Empfängers
  • Corner 4 – Empfänger im Backend

Zwei Routinginstanzen halten das Netz zusammen:

  • Service Metadata Locator (SML) – einer im gesamten Netzwerk
  • Service Metadata Publisher (SMP) – speichert pro Empfänger Peppol-ID, Dokumenttypen, zuständigen Access Point

Adressierung in Deutschland:

  • Behörden – Leitweg-ID
  • Unternehmen – Umsatzsteuer-ID oder Global Location Number

Vorteile gegenüber klassischer Mailübertragung

  • Maschine-zu-Maschine, ohne Medienbruch
  • Verifizierte Empfangsbestätigung
  • Kein bilateraler Vertrag pro Geschäftspartner
  • Skalierbar bei hunderten oder tausenden Empfängern

Eigener Access Point oder Managed Service?

Eigener AP – OpenPeppol-Mitgliedschaft, Vertrag mit der KoSIT, Onboarding-Tests, laufender Zertifikatsbetrieb. Sinnvoll: bei sehr hohen Volumina und IT-Tiefe.

Link:  Deutschland E-Rechnungs-Update: Formate, Zeitpläne & Wissenswertes

Für die meisten: Managed Service. Schneller, kalkulierbarer, betriebsfreundlicher.

Ein professioneller Peppol-Zugangspunkt mit SMP-Anbindung übernimmt Zertifikate, Konnektivität, SLA. Das eigene Team: Fokus auf SAP-Prozesse und fachliche Validierungen.

Wichtige Abgrenzung. Peppol SAP Anbindung ≠ klassisches EDI. EDI: bilateral, 1:1. Peppol: Netzwerk – einmal angeschlossen, jeden Teilnehmer erreichen.

SAP Document and Reporting Compliance (DRC)

Seit S/4HANA Release 2022: SAP DRC. Frühere Einzelprodukte zusammengefasst.

Architektur: hybrid.

  • Kern in S/4HANA oder ECC
  • Cloud-Schicht auf SAP Business Technology Platform

Komponenten im Überblick:

  • eDocument Framework – liest Daten aus FI-, SD-, MM-Belegen, erzeugt eDocuments
  • Application Interface Framework (AIF) – Mapping-Engine plus Monitoring, Format-Transformation
  • eDocument Cockpit (Transaktion EDOC_COCKPIT) – operativer Arbeitsplatz, Statusmonitoring, Fehleranalyse, Wiedereinreichung
  • DRC Cloud Edition – Übertragung an Peppol, AS2, REST-APIs, nationale Gateways

Reichweite:

  • Vorgefertigte Szenarien für über 50 Länder
  • Kompatibel mit S/4HANA on-premise, S/4HANA Cloud, ECC

Schlanke Add-ons ergänzen DRC sinnvoll – bei klarem Deutschlandfokus oder überschaubarer Länder-Scope.

Architektur in S/4HANA: end-to-end

Outbound-Flow nach Peppol:

  1. Trigger in SD – Faktura (VBRK/VBRP), Event löst eDocument-Erzeugung aus
  2. Mapping in AIF – BRF+-Regeln, Datenüberführung in das Zielformat
  3. Validierung – EN 16931-Schema, Schematron-Regeln; Fehler bleiben im Cockpit
  4. Übermittlung über Peppol Exchange – Verpackung in Standard Business Document (SBD), Einspeisung
  5. Statusrückmeldung – Cockpit zeigt Accepted oder Rejected, Archiv übernimmt

Inbound – analog rückwärts:

  • Empfang über eigenen Access Point oder Provider
  • Technische Validierung gegen EN 16931
  • Fachliche Prüfung gegen Stammdaten – Lieferant, Bestellbezug, Steuersätze
  • Maschinelles Three-Way-Matching mit MM-Bestellung
  • Workflow-Freigabe nach Beträgen, Kostenstellen, Ausnahmen
  • Buchung in FI
  • Revisionssichere Archivierung mit Audit-Trail

GoBD und revisionssichere Archivierung

Die unterschätzte Compliance-Säule.

Empfang? Im Griff. Versand? Ebenso. Archivierung? Hier scheitern Audits.

Pflichtpunkte für jede SAP-Umgebung:

✅ Aufbewahrungsfrist – grundsätzlich 8 Jahre, in Sonderfällen länger

✅ Originalformat – strukturierte XML unverändert

✅ ZUGFeRD-Spezifik – PDF/A-3-Hülle UND eingebettete XML im Original

✅ Verfahrensdokumentation – Empfang, Validierung, Freigabe, Buchung, Archivierung

✅ Speicherung – WORM-Speicher, kontrollierte Versionierung, Zugriffsprotokolle

Was nicht ausreicht: Fileshare. SharePoint-Ordner. Lokales Mailpostfach.

Implementierungs-Best-Practices

Acht Erkenntnisse aus der SAP-Projektpraxis:

  • Stammdatenqualität zuerst – Umsatzsteuer-IDs, Adressfelder, Leitweg-IDs prüfen
  • Cross-funktionales Team – Finance, IT, Einkauf, Vertrieb, Compliance ab Tag eins
  • Drei Segmente trennen – B2G, inländisches B2B, grenzüberschreitendes B2B
  • Clean Core einhalten – keine Z-Tabellen oder Modifikationen
  • Phasenweiser Rollout – Pilot, Niedrigvolumen, dann skalieren
  • End-to-end testen – Ablehnungen einbeziehen
  • Verfahrensdokumentation parallel – kein „später”
  • Frühzeitig starten – ab Herbst 2026 wird der Markt knapp

Ausblick: ViDA und die nächste Stufe

ViDA. VAT in the Digital Age. Voraussichtlich ab 2030.

Fokusverschiebung: vom Dokument zur Transaktion. In nahezu Echtzeit.

Drei Säulen:

  • Digitale Meldepflichten für grenzüberschreitende EU-Transaktionen
  • Erweiterte Steuerpflichten für bestimmte Online-Plattformen
  • Einheitlicher digitaler Anlaufpunkt für die Umsatzsteuerregistrierung
Link:  Pflicht-B2B-E-Rechnungen in Deutschland: Was Unternehmen für 2027–2028 wissen müssen

Konsequenz für SAP-Kunden: Datenqualität wird Dauerpflicht. Nicht Einmalprojekt.

DRC: real-time-fähig konzipiert. Wer heute strategisch baut, hat 2030 das Gerüst stehen.

Häufige Fragen

Ist SAP DRC für die deutsche E-Rechnungspflicht zwingend?

Nein. Format und Übermittlungsweg sind vorgegeben – Software nicht. DRC: naheliegende Wahl für Standardanwender. Add-ons je nach Use-Case effizienter.

Funktioniert E-Rechnung auch in SAP ECC?

Ja. DRC unterstützt ECC und S/4HANA. ECC-Mainstream-Wartung jedoch im Auslauf – Abstimmung mit S/4HANA-Roadmap empfohlen.

Was, wenn der Kunde noch keine Peppol-ID hat?

Bis 2026: Mail mit ZUGFeRD oder XRechnung als Anhang, mit Zustimmung. Ab 2027 oder 2028: strukturiertes Format Pflicht – je nach Umsatz.

Ersetzt Peppol bestehende EDI-Strecken?

Nicht zwingend. EDI bleibt zulässig – sofern EN 16931-konform. Schrittweise Migration zu Peppol jedoch verbreitet.

Gilt die Pflicht auch für B2C?

Nein. 2025 bis 2028 – ausschließlich inländisches B2B.

Was unterscheidet ZUGFeRD von Factur-X?

Technisch nahezu identisch. Gemeinsame Pflege durch deutsche und französische Gremien.

Fazit

Die deutsche E-Rechnungspflicht. Mehr als juristische Deadline. Einstieg in ein europaweites Echtzeit-Steuerökosystem.

Strategisch aufgesetzte SAP-Architektur? Gewinnt mehrfach:

  • Compliance ab 2025
  • Versandfähigkeit ab 2027
  • ViDA-Bereitschaft voraussichtlich ab 2030
  • Operative Effizienz dauerhaft

Taktischer Ansatz? Technische Schulden:

  • Mailbox plus manuell – reicht 2025, scheitert 2027
  • Bilaterale EDI – skaliert nicht auf hunderte Partner
  • PDF im Fileshare – keine GoBD-Konformität

Der richtige Weg:

  • SAP-nahe Compliance-Schicht
  • Skalierbarer Peppol-Anschluss
  • Saubere Integrationsebene
  • Clean-Core-Konformität gewahrt

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2027 rückt näher. Versandpflicht greift. Beratungs- und Implementierungskapazität wird knapp.

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