Peppol-ID in Deutschland beantragen: Anleitung

Die E-Rechnungspflicht ist seit dem 1. Januar 2025 Realität in Deutschland. Mittendrin: das Peppol-Netzwerk – und die Peppol-ID als zentraler Schlüssel.

Peppol-ID beantragen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für deutsche Unternehmen

Was ist eine Peppol-ID?

  • Eindeutige digitale Adresse im Peppol-Netzwerk
  • Auch bekannt als Peppol Teilnehmer ID oder Participant Identifier
  • Vergleichbar mit Telefonnummer oder IBAN
  • Maschinenlesbar und international gültig
  • Pflicht für jeden Sender und Empfänger

Drei Kernfunktionen:

  • Adressierung – wohin geht das Dokument
  • Discovery und Routing – Lookup über SML und SMP
  • Capability Lookup – welche Formate unterstützt der Empfänger

Die Stichtage in Deutschland

  • 01.01.2025: Empfangspflicht für alle inländischen B2B-Unternehmen
  • 01.01.2027: Versandpflicht ab 800.000 € Vorjahresumsatz
  • 01.01.2028: Versandpflicht für alle Unternehmen

Zugelassene Formate:

  • XRechnung (reines XML)
  • ZUGFeRD ab Version 2.0.1 (ohne Profile MINIMUM und BASIC-WL)
  • Peppol BIS Billing 3.0

Aufbau der Peppol-ID

Format: {Präfix}:{Identifier}

Relevante Schemata für deutsche Unternehmen:

  • 9930 – Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (Standard für KMU)
  • 0088 – Global Location Number (GLN von GS1)
  • 0204 – Leitweg-ID (nur öffentliche Verwaltung)

Beispiele:

  • 9930:DE123456789
  • 0088:4012345000009
  • 0204:991-33333TEST-33

Wichtige Klarstellung:

  • Peppol-ID gehört in den Transport-Header
  • Leitweg-ID gehört in das Feld BT-10 der Rechnung
  • Beide IDs sind nie vollständig identisch

Mehr zur Struktur im Wikipedia-Eintrag zur Leitweg-ID.

Das Vier-Ecken-Modell

Peppol arbeitet nach dem Vier-Ecken-Modell. Sender und Empfänger an den Endpunkten – verbunden über zertifizierte Access Points.

  1.  Rechnungssender (Lieferant)
  2.  Access Point des Senders
  3.  Access Point des Empfängers
  4.  Rechnungsempfänger

Vorteil: Einmal angebunden, alle Teilnehmer erreichbar – nach dem Prinzip „Connect once, reach anyone”.

Peppol-ID beantragen: Sechs Schritte

Schritt 1 – Anforderungen klären

  • Empfangen, senden oder beides?
  • Erwartetes monatliches Rechnungsvolumen?
  • B2B, B2G oder beide Bereiche?
  • Aktuelles ERP- oder Buchhaltungssystem?

Schritt 2 – Zertifizierten Access Point auswählen

Eaglessoft ist offiziell zertifizierter Peppol Service Provider in Deutschland. Mit eigenem Peppol-Zugangspunkt und SMP.

Auswahlkriterien:

  • OpenPeppol-Zertifizierung
  • Anerkennung durch KoSIT als deutsche Peppol Authority
  • Lokaler Support in Deutschland
  • DSGVO-konformes Hosting in Deutschland
  • Klare Service Level Agreements

Schritt 3 – Unterlagen vorbereiten

  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.)
  • Offizieller Firmenname laut Handelsregister
  • Aktueller Handelsregisterauszug
  • Kontaktdaten der bevollmächtigten Person
  • Bei B2G-Versand: Leitweg-ID des öffentlichen Auftraggebers

Schritt 4 – Registrierung beim Access Point

  • Konto anlegen und Stammdaten eingeben
  • Unternehmensdaten validieren lassen
  • Peppol-ID generieren (Präfix 9930 oder 0088)
  • Veröffentlichung im Service Metadata Publisher (SMP)

Schritt 5 – Tests durchführen

  • SMP-Lookup: ist die Peppol-ID auffindbar?
  • Format-Validierung: XRechnung und Peppol BIS Billing 3.0
  • End-to-End-Test: Versand, Empfang, Message Level Response
  • KoSIT-Prüftool für formale Validierung

Schritt 6 – ERP-Integration

Pflichtfelder beachten:

  • BT-23 – ProfileID
  • BT-34 – Verkäufer-Adresse
  • BT-49 – Käufer-Adresse

Weitere Punkte:

  • Vor-Validierung integrieren
  • GoBD-konforme Archivierung sicherstellen
  • Schulung der Buchhaltung einplanen

XRechnung vs. Peppol BIS Billing 3.0

XRechnung:

  • Deutscher nationaler Standard
  • Reines XML-Format
  • Erste Wahl im B2G-Bereich
  • Pflichtfeld Leitweg-ID
Link:  Pflicht-B2B-E-Rechnungen in Deutschland: Was Unternehmen für 2027–2028 wissen müssen

Peppol BIS Billing 3.0:

  • Internationaler Standard
  • UBL-basiert
  • Mit dem German National Ruleset (DE-NRS) für Inlandsverkehr geeignet
  • Optimal für grenzüberschreitenden Versand

Empfehlung: Beide Formate beherrschen.

Kosten und kostenfreie Optionen

Kostenfrei – aber mit Einschränkungen:

  • Empfang über die Bundesplattform OZG-RE (nur für B2G, also Behördenrechnungen)
  • Webservice des Bundes (nur niedriges Volumen, kein Massenversand)
  • Verbindungen zwischen Access Points im Netzwerk selbst

Wichtig zu wissen:

  • Im B2B-Bereich ersetzt OZG-RE keinen privaten Access Point
  • Massenversand und Automatisierung erfordern einen kommerziellen Access Point
  • Behördenplattformen sind für reguläre B2B-Prozesse nicht ausgelegt

Kostenpflichtig im B2B:

  • Nutzung eines kommerziellen Access Points
  • ERP-Integration und Anpassungen
  • Optional: OpenPeppol-Mitgliedschaft bei eigenem Access Point

Gängige Preismodelle:

  • Volumenbasiert pro Transaktion
  • Pauschal mit monatlichem Festpreis
  • Hybrid mit Grundgebühr und Volumenstaffel

Datenschutz und DSGVO

Peppol-Daten fließen über mehrere Knotenpunkte. DSGVO-Konformität ist deshalb zwingend.

Eaglessoft setzt auf:

✅ Hosting und Datenverarbeitung in Deutschland

✅ Vollständige DSGVO-Konformität

✅ AS4-Verschlüsselung im Transport

✅ Zugriff ausschließlich über digitale Zertifikate

✅Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) auf Wunsch

Häufige Fehler bei der Peppol Registrierung Deutschland

  • Verwechslung von Peppol-ID und Leitweg-ID
  • Unvollständige Pflichtfelder (BT-23, BT-34, BT-49)
  • Verlass auf das Peppol Directory zur Empfängersuche
  • Test-Phase übersprungen
  • Archivierung als PDF-Ausdruck statt Originalformat
  • Falsche Annahme, OZG-RE ersetze einen B2B-Access-Point

Die Infrastruktur dahinter

Drei Bausteine:

  • SML – Service Metadata Locator: zentrales Verzeichnis
  • SMP – Service Metadata Publisher: Empfangsfähigkeiten und Endpunkte
  • Access Point – AS4-Gateway mit digitalen Zertifikaten

Typischer Ablauf:

  • Access Point fragt SML
  • SML verweist auf SMP des Empfängers
  • SMP liefert Routing-Daten
  • Dokument wird über AS4 zugestellt
  • Bestätigung kommt automatisiert zurück

German Electronic Business Address (GEBA)

  • Seit Dezember 2025 in Registrierung
  • Neues Schema speziell für deutsche B2B-Adressierung
  • Aktuell freiwillig nutzbar
  • Potenzielle Alternative zum USt-IdNr.-Schema
  • Verbessert Eindeutigkeit der Sender- und Empfänger-Identifikation

Häufige Fragen

1- Peppol-ID nur für den Empfang nötig?

+ Ja, ohne SMP-Eintrag kein Empfang im Peppol-Netzwerk.

2- Mehrere Peppol-IDs pro Unternehmen möglich?

+ Technisch ja, empfohlen ist eine pro Rechtseinheit.

3- Was passiert bei einem Anbieterwechsel?

+ Die Peppol-ID bleibt gleich – der neue Access Point übernimmt den SMP-Eintrag.

4- Andere Dokumente außer Rechnungen versendbar?

+ Bestellungen, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine und Kataloge sind möglich.

5- Wie lange dauert die Registrierung?

+ Bei vollständigen Unterlagen meist wenige Werktage.

6- Reicht die kostenfreie Bundesplattform für B2B?

+Nein, OZG-RE ist auf B2G ausgelegt. Für B2B-Volumen ist ein privater Access Point notwendig.

Ausblick: Peppol nach 2027

  • Vollständige E-Rechnungspflicht ab 2028
  • ViDA-Paket der EU bringt elektronische Meldesysteme
  • 5-Ecken-Modell mit eingeschränktem Steuerbehörden-Zugriff
  • Wachsende Teilnehmerzahlen im Peppol-Netzwerk
  • Frühe Investition zahlt sich langfristig aus

Fazit

Die E-Rechnungspflicht ist gesetzte Realität. Die Peppol-ID ist der Schlüssel zum digitalen Geschäftsverkehr.

Link:  SAP S/4HANA E-Rechnung: Peppol-Anbindung 2027

Eaglessoft ist offiziell zertifizierter Peppol Service Provider in Deutschland und begleitet Unternehmen umfassend:

✅ Anforderungsanalyse und Strategie

✅ Peppol-Registrierung und ID-Vergabe

✅ Eigener Access Point mit SMP in Deutschland

✅ DSGVO-konformes Hosting

✅ ERP-Integration und laufender Support

Bereit für den nächsten Schritt? Direkt zum Kontaktformular.